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Bunte Bühne Motorsport Folge 33

Von Heiko Schäfer

 

Das Motorsportjahr in heimischen Gefilden begann in dieser Saison mit drei Absagen. Bereits im November letzten Jahres wurde die für April geplante ADAC Hessen Rallye Vogelsberg als zweiter Lauf zur Deutschen Rallye Meisterschaft abgesagt. Als Grund nannte der verantwortliche Automobilclub Schlitz die hohen Anforderungen bezüglich der Organisation, denen man nicht mehr gerecht werden könne. Hessen größte Motorsportveranstaltung wurde abgesagt. Ausgerechnet zum 50- Jährigen Rallyejubiläum dieses Jahr in Osthessen. Scheinbar unüberwindbare Differenzen hinter den Kulissen machten den sportlichen Wert in einer Region zunichte, für die jede Veranstaltung wichtig ist. Die Absage in Schlitz ist jedoch nicht das erste Mal in der Geschichte der von den Fans als „Hessen“ benannten Veranstaltung der deutschen Rallyetopliga. In den 90er Jahren machte der Klassiker bereits eine Zwangspause, bis Anfang des neuen Jahrtausends der Vogelsberg mit Schlitz in den Blickpunkt rückte. Man darf gespannt sein, ob und wann es wieder einen Lauf der Deutschen Rallye Meisterschaft auf hessischem Boden gibt. 

Die nächste Absage gab es zu Saisonbeginn mit dem Lahn- Dill Rallyesprint des Rallyefunk Lahn- Dill. Zu dessen 10- Jährigem Jubiläum sollte am 23. Juni im Bereich der Gemeinde Dietzhölztal gefahren werden. Daraus wird nichts. Als Grund wurden Genehmigungsprobleme genannt. Seit dem Aus der Rallye Lahn- Dill Ende der achtziger Jahre ist und bleibt der Lahn- Dill Kreis bis auf weiteres nicht nur im Rallyesektor ein weißer Fleck in Mittelhessen

Die dritte Absage des Jahres betraf die Zweiradfraktion, die allerdings entschädigt wird. Am Mittwoch vor Ostern gab der AMC Langgöns bekannt, dass es kein Oster- Motocross als Auftakt zum ADAC Motocross Hessen- Thüringen gibt. Die Strecke sei aufgrund des Dauerbodenfrosts unbefahrbar, gab AMC- Chef Andre Seipp als Grund an. Insbesondere Motocrosser gelten zwar als harte Jungs, doch es hat eben alles seine Grenzen. Je schlechter die Streckenverhältnisse sind, umso mehr wird es zu einer Art Überlebenskampf und hat mit Chancengleichheit kaum noch zu tun. Die Verhältnisse sind zwar auch im Offroadsport nicht immer gleich, doch es sollte sich in Grenzen halten. Insbesondere die Nachwuchsklassen leiden darunter und das Unfallrisiko steigt. Insofern war die Absage richtig, auch wenn es nicht allen gefallen haben dürfte. Die Verantwortung liegt aber beim AMC Langgöns, der für Fans und Fahrer am 11. und 12. August einen Ersatztermin für sein Motocross angesetzt hat. Dabei dürfte der Begriff Oster- Motocross wohl eine untergeordnete Rolle spielen.

 

Von Ausfällen und Ausnahmen

 

Nur eine Woche nach Ostern stand die Startampel beim Auftakt zum Motocross- Hessencup in Wolfshausen auf grün. Der AMC Rodheim- Bieber veranstaltete erstmals eine Motocross- Veranstaltung in Eigenregie, wenn auch auf dem Gelände des MSV Lahnberge. Unter besten Bedingungen lieferten sich deutlich mehr als 200 Fahrer in 20 Klassen Positionskämpfe um vordere Plätze. Eine organisatorische Meisterleistung, obwohl nicht alle Klassen voll besetzt waren. Wenige Starter waren in den Classic und Veteranen- Klassen dabei, was den sportlichen Wert in Frage stellt. Dennoch konnte sich der AMC über ein volles Haus und beste Wetterbedingungen freuen.

So erging es Ende April auch dem veranstaltenden MSC Rund um Schotten beim 15. ADAC Bergpreis Schottenring, der seit jeher sein Basislager im Stadtteil Rudingshain oberhalb der Rennstadt beherbergt. Dazu ausnahmsweise ideales Wetter, wobei man in Schotten in der Vergangenheit durchaus schon mit Wetterkapriolen wie Schneefall zu tun hatte. Das kleine und ansonsten idyllische Vogelsbergdörfchen hat für drei Tage eine derart hohe Dichte an Renn- Tourenwagen wie das neue Fahrerlager am Nürburgring und arrangiert sich mit dem Ausnahmezustand. Im Gegensatz zur Eifel, in der solche Bedingungen üblich sind, existieren in Rudingshain aber weder feste Boxenanlagen, noch großvolumige Absperrungen. Die deutsche Bergelite gibt sich offen zugänglich für jedermann und jederfrau. Sprichwörtlich Motorsport zum Anfassen wird hier gelebt und das mögen die vielen Fans. Lediglich bei der beliebten Frage nach der Motorleistung gibt man sich schon mal einsilbig, was allerdings nicht neu ist. Bei der ersten Auflage des mittlerweile hessischen Klassikers gewann noch ein Vespafahrer die damalige Sollzeitwertung. Seit 2013 zählt die reine Bestzeit, wobei es nach wie vor auch eine Sollzeitwertung gibt. Die leistungsstärksten Tourenwagen aus dem Hause Lancia, Opel und Porsche liegen zwischen 500 und gut 900 PS. Ohne Übertreibung zählt der Bergpreis damit zu den anspruchsvollsten Motorsportveranstaltungen in Hessen. Wohl nirgendwo wird schneller gefahren bei noch weniger Platz. Fast jeder Fehler führt unweigerlich zum Aus auf der drei Kilometer langen Strecke von Rudingshain, die Serpentinen, die Poppenstruth Richtung Götzen. Das bekam auch Stefan Bodin aus Ober- Mörlen als mittelhessische Speerspitze zu spüren, der in einer Serpentine zu früh aufs Gas stieg, den Turbo damit zum Einsatz brachte und seinen Porsche 944 GTR unfreiwillig in die Leitplanke und damit ins aus drängte. Mehr Glück hatte Rallyeass Maurice Moufang aus Schotten, der im BMW M3 Gesamtrang 17 vom Vorjahr bestätigen konnte, zweiter in seiner Klasse und bester heimischer Fahrer wurde.

Ein Fahrer brachte die Schwierigkeit des Bergpreises auf den Punkt. Man kommt in vollem Tempo auf eine Kurve zu, bremst, schaltet, lenkt ein, Gibt Gas und hofft auf die nötige Haftung. So erging es wohl Herbert Pregartner, der sich mit seinem Porsche 911 GT 2 R zum zweiten Mal nach 2016 in die Siegerliste im Vogelsberg eintragen ließ. Zudem markierte der Österreicher mit einer knackigen Bestzeit von 1:16,113 Minuten den neuen Streckenrekord. Ob diese Zeit nächstes Jahr eingestellt wird, oder ein Wert für die Ewigkeit darstellt, ist ungewiss und gewissermaßen nebensächlich. Gewinner des letzten April- Wochenendes, das ohne größere Zwischenfälle verlief, sind alle Beteiligten in der über 90- Jährigen wechselvollen Geschichte des legendären Schottenrings.

Während manche Fahrer auf langjährige Erfolge zurück blicken können, stehen andere erst am Anfang einer möglichen Karriere. Andre Reuter fuhr Mitte April sein erstes Rennen im Rahmen der sogenannten GLP-pro- Serie in Hockenheim. Der 17- Jährige Spross von Ex- Bergass Christian Reuter wurde im BMW 318is als 19. von immerhin 35 Autos gewertet. Kein Rennfahrer will zwar letzter sein, doch das Ergebnis war mehr zweitrangig. Lernen stand im Vordergrund und der Spaß kam auch nicht zu kurz beim jungen Gießener, der unbedingt sein nächstes Rennen bestreiten will. An der Zukunft des Motorsports in Mittelhessen wird also gearbeitet, ob auf oder neben der Strecke.

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